Programm

Historisches Lesecafe6
Dienstag 18. Juni 10.30 Uhr
Historisches Lesecafé:
Uwe Timm „Am Beispiel meines Bruders“

Die Teilnehmer des Historischen Lesecafés besprechen Timms autobiographische Erzählung.

Ein kurzes Leben, das lange nachwirkt – Uwe Timm erzählt die Geschichte seines älteren Bruders Karl Heinz Timm, geboren 1924 in Hamburg, gestorben 1943 in einem Lazarett in der Ukraine – Erst nach dem Tod von Mutter und Schwester fühlt Uwe Timm sich frei genug, über seinen sechzehn Jahre älteren Bruder zu schreiben, der sich 1942 freiwillig zur SS-Totenkopfdivision gemeldet hatte und nicht mehr zurückkehrte. Der Neunzehnjährige lebt weiter in der Trauer der Eltern, ihren Erzählungen, den sprachlichen Wendungen, die für sein Schicksal bemüht wurden, aber auch in den Träumen des jüngeren Bruders, der kaum eigene Erinnerungen an ihn hat. Warum wurden diese Träume nach einem halben Jahrhundert immer drängender? Der Impuls, über den Bruder zu schreiben, sich ein Bild von ihm zu machen, von seiner Generation im Nazikrieg, erwächst bei Uwe Timm auch aus der Notwendigkeit, über die Voraussetzungen der eigenen Biographie Klarheit zu gewinnen. Es ist die Frage nach familiären Prägungen, nach Werten und Erziehungszielen, nach Liebe, Nähe und Respekt unter den Bedingungen des nationalsozialistischen Zivilisationsbruchs. Warum hat sich der Bruder freiwillig zur SS gemeldet? Wie ging er mit der Verpflichtung zum Töten um? Welche Optionen hatte er, welche Möglichkeiten blieben ihm verschlossen? Wo ist der Ort der Schuld, wo der des Gewissens bei den Eltern, die ihn überlebt haben?

 

Eintritt frei.


Originalfoto VGNU
Mittwoch 19. Juni 19.30 Uhr
Sommerakademie
„Ankunft als Motiv in der deutschsprachigen Literatur“ I

Der Vortrag von Rahel Ziethen "Thomas Mann: Der Tod in Venedig" muss leider entfallen.

 

Bild: VGNU, Wikimedia Commons


Originalfoto VGNU1
Mittwoch 26. Juni 19.30 Uhr
Sommerakademie
„Ankunft als Motiv in der deutschsprachigen Literatur“ II

Der Vortrag von Achim Küpper "Kafkas erste Sätze und die Wiederkehr des Fremden: Szenarien der Ankunft in Geschichte und Gegenwart" muss leider entfallen.

 

Bild: VGNU, Wikimedia Commons


Overath AEin Winter in Istanbul 188460
Samstag 29. Juni 19.30 Uhr
Autorenlesung:
Angelika Overrath „Ein Winter in Istanbul“

Sehnsucht Istanbul: Angelika Overath liest aus ihrem Roman "Ein Winter in Istanbul"; der Essayist und Literaturwissenschaftler Manfred Koch moderiert den Abend

Einen Winter lang will Cla, Religionslehrer aus dem Engadin über die Konstantinopel-Mission von Cusanus arbeiten. Doch dann lernt er den türkischen Kellner Baran kennen. Der nimmt ihn mit in sein Istanbul: sie streifen über Märkte, trinken Tee auf den Bosporus-Fähren, gehen ins Hamam. In ihren Gesprächen prallt das spätmittelalterliche Byzanz auf das politisch-religiös gespaltene Istanbul der Gegenwart. Bei einem geheimen Treffen von Derwischen erlebt Cla die Nähe von Sufismus und christliche Mystik. Und Cla verliebt sich in Baran. Doch dann kommt Alva, die Verlobte aus der Schweiz, zu Besuch.

 

Eintritt: 6,00 Euro, Mitglieder 3,00 Euro

 

Anmeldung erbeten: info@deutschebib.de


Literaturcafe16
Dienstag 2. Juli 10.30 Uhr
Literaturcafé
Natascha Wodin „Sie kam aus Mariupol“

Die Teilnehmer des Literaturcafés besprechen diese geschichtliche Spurensuche von Natascha Wodin.

"Wenn du gesehen hättest, was ich gesehen habe" - Natascha Wodins Mutter sagte diesen Satz immer wieder und nahm doch, was sie meinte, mit ins Grab. Da war die Tochter zehn und wusste nicht viel mehr, als dass sie zu einer Art Menschenunrat gehörte, zu irgendeinem Kehricht, der vom Krieg übriggeblieben war. Wieso lebten sie in einem der Lager für "Displaced Persons", woher kam die Mutter, und was hatte sie erlebt? Erst Jahrzehnte später öffnet sich die Blackbox ihrer Herkunft, erst ein bisschen, dann immer mehr. "Sie kam aus Mariupol" ist das außergewöhnliche Buch einer Spurensuche. Natascha Wodin geht dem Leben ihrer ukrainischen Mutter nach, die aus der Hafenstadt Mariupol stammte und mit ihrem Mann 1943 als "Ostarbeiterin" nach Deutschland verschleppt wurde. Sie erzählt beklemmend, ja bestürzend intensiv vom Anhängsel des Holocaust, einer Fußnote der Geschichte: der Zwangsarbeit im Dritten Reich. Ihre Mutter, die als junges Mädchen den Untergang ihrer Adelsfamilie im stalinistischen Terror miterlebte, bevor sie mit ungewissem Ziel ein deutsches Schiff bestieg, tritt wie durch ein spätes Wunder aus der Anonymität heraus, bekommt ein Gesicht, das unvergesslich ist.

 

Eintritt frei.


Originalfoto VGNU2
Mittwoch 3. Juli 19.30 Uhr
Sommerakademie
„Ankunft als Motiv in der deutschsprachigen Literatur“ III

Hub Nijssen/Monika Bergmann (Nijmegen): "Ankommen ohne Wegzugehen. Raissa Kopelev: Die Türen öffnen sich langsam. Raissa Orlowa/Lew Kopelew: Wir lebten in Köln."

Raissa Orlowa-Kopelew war die zweite Frau des bekannten russischen Bürgerrechtlers und Literaturhistorikers Lew Kopelew. Sie arbeitete ab Anfang der 1960er Jahre als freie Schriftstellerin und Literaturkritikerin in Moskau. Seit dem Einmarsch der Warschauer-Pakt-Staaten in der CSSR engagierte sich das Paar zunehmend in der sowjetischen Bürgerrechtsbewegung, Ihr Haus wurde Anlaufpunkt für Dissidenten und ausländische Korrespondenten wie Fritz Pleitgen und Klaus Bednarz. 1980 schloss man sie aus dem sowjetischen Schriftstellerverband aus. Ein Jahr später wurden sie ausgebürgert, und ihnen wurde die Staatsbürgerschaft entzogen. Zu der Zeit waren sie seit vier Monaten in Westdeutschland. Ihre Freunde Heinrich Böll und Gräfin Dönhoff unter anderem hatten sie eingeladen. Eine Rückkehr in ihre Heimat war damit ausgeschlossen.


Doch wie kommt man an, in einer Welt, deren Sprache man nicht spricht, deren Alltagsrituale man nicht kennt? Raissa Orlowa-Kopelew beschreibt in ihrem Buch “Die Türen öffnen sich langsam” ihren mühsamen Weg, sich in der deutschen Gesellschaft zurechtzufinden. Ihre Reflexionen helfen nicht nur ihr die fremde Umgebung zu verstehen und anzukommen, sondern machen auch uns unsere deutschen Eigenheiten bewusst. Mit ihren vergleichenden Beobachtungen im Westen öffnet sie gleichzeitig für uns eine Tür nach Russland.

 

Nach Raissas Tod stellte Lew Kopelew eine Auswahl aus beiden Tagebüchern und dem Briefwechsel mit unzähligen Freunden zusammen. Er bündelte die Texte im Buch “Wir lebten in Köln”. Seine Art des Ankommens in der Fremde unterscheidet sich sehr von der seiner Frau. Scheinbar helfen ihm seine sprachlichen und literaturhistorischen Kenntnisse sich schneller in der deutschen Gesellschaft zurechtzufinden. Doch Ankommen ist mehr als theoretisches Wissen über die fremde Kultur und die Sprache der neuen Welt.


Am Ende stellt sich die Frage, ob Ankunft überhaupt möglich ist oder ein Konjunktiv bleiben muss.


Ausgaben:
Raissa Orlowa-Kopelew: Die Türen öffnen sich langsam. Albrecht Knaus Verlag, Hamburg 1984
Raissa Orlowa/Lew Kopelew: Wir lebten in Köln. Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 1996

 

Eintritt: 8 Euro


Nähere Informationen unter www.deutschebib.de/sommerakademie2.

 

Bild: VGNU, Wikimedia Commons


Ute Wllmann Aus meinen Trumen gelst wagten sich Sonnen heran 2018 l auf Leinwand 175 x 175 cm
Donnerstag 4. Juli 19.30 Uhr
Vernissage mit Künstlergespräch und Gedichten
Ute Wöllmann: "Bachmann in Farbe"

Gemeinschaftsveranstaltung:
New German Art, Österreichische Botschaft und Literaturhaus | Deutsche Bibliothek Den Haag

Die Poesie der berühmten österreichischen Dichterin Ingeborg Bachmann inspiriert die Künstlerin Ute Wöllmann immer wieder zur Schaffung von Gemälden. Die bildreiche Sprache von Bachmann wirkt als Ansporn, einzelne Verse veranlassen zum Malen. Die Galerie New German Art stellt vom 4. bis zum 7. Juli in Den Haag auf Einladung der Österreichischen Botschaft und dem Literaturhaus | Deutsche Bibliothek Den Haag Werke der deutschen Malerin und Direktorin der Berliner Akademie für Malerei, Ute Wöllmann, aus.

 

Sie sind herzlich zur Vernissage am 4. Juli um 19:30 Uhr in Korte Vijverberg 2 in Den Haag eingeladen. In einem Künstlergespräch erklärt die Künstlerin, wie und warum Bachmanns Dichtkunst sie inspiriert. Der Vortragskünstler Hans Ratloff wird an diesem Abend einige Gedichte von Bachmann vortragen.

 

Eintritt frei.

 

Anmeldung erbeten: info@newgermanart.nl


Krimicafe9
Mittwoch 17. Juli 19.30 Uhr
Krimicafé:
Bernhard Schlink „Selbs Mord“

Die Teilnehmer des Krimicafés besprechen den dritten Band der Selbs-Triologie.

Ein Auftrag, der den Auftraggeber eigentlich nicht interessieren kann. Der auch Selb im Grunde nicht interessiert und in den er sich doch immer tiefer verstrickt. Merkwürdige Dinge ereignen sich in einer alteingesessenen Schwetzinger Privatbank. Die Spur des Geldes führt Selb in den Osten, nach Cottbus, in die Niederlagen der Nachwendezeit. Ein Kriminalroman über ein Kapitel aus der jüngsten deutsch-deutschen Vergangenheit.

 

Eintritt frei.