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Donnerstag 26. Januar 20.00 Uhr
Vortrag
Madeleine Rietra

Joseph Roth: Wasserträger Mendel. Die Geschichte eines Flüchtlings

 

 

Die Geschichte macht uns mit dem jüdischen Wasserträger Mendel bekannt, der sein Leben lang in einer kleinen galizischen Stadt gearbeitet hat und während des Ersten Weltkriegs flüchten muss. Er flieht zu seinem Sohn in Wien. Wie viele seiner Schicksalsgenossen wird er von der Wiener Bevölkerung ablehnt und vom Staat nur mässig unterstützt. Mit 62 Jahren muss er eine neue Existenz in einer fremden Umgebung aufbauen. Roth schildert Mendels wenig erfolgreiche Bemühungen um einen minimalen Erwerb, die Destabilisierung seiner ost-jüdischen Identität sowie seine Annäherung an eine sozialistische Weltsicht.

 

Bislang wurde das titellose Fragment der Entstehung von Roths Roman “Hiob” (1930) zugeordnet. Ausgehend von Roths Poetik und unter Anwendung von close reading kann nachgewiesen werden, dass das Textfragment  früher entstand. Vermutlich noch während des Ersten Weltkriegs oder kurz danach, als die Folgen des Kriegs und die Kenntnis zur Sachlage der Kriegsflüchtlinge bei Autor und Leserschaft noch aktuell waren. 

 

Madeleine Rietra studierte Germanistik und Geschichte in Amsterdam und Hamburg.

Sie edierte u.a. 1991 Joseph Roths Briefwechsel mit dem Verlag De Gemeenschap (gemeinsam mit Theo Bijvoet), seinen Briefwechsel mit den Exilverlagen Allert de Lange und Querido (2005) sowie  (gemeinsam mit Rainer-Joachim Siegel) die Briefe zwischen Roth und dessen Freund Stefan Zweig (2011).

 


Preisendrfer Reisen Lutherzeit 4 Juli11
Montag 6. Februar 20.00 Uhr
Autorenlesung
Bruno Preisendörfer
"Als unser Deutsch erfunden wurde"
Reise in die Lutherzeit

Einführung: Ulrich Thöle

 

Bruno Preisendörfer schaut Luther und vielen seiner Zeitgenossen über die Schulter, wir erleben ihr öffentliches Wirken, aber auch ihren Alltag.

"Ohne Luther .... hätte es die Lutherzeit nicht gegeben, so wenig, wie es eine Lutherbibel ohne Luther geben kann. ..." Aber: "Nur auf sich gestellt macht niemand Epoche, weder auf einem Reichstag in Worms noch in einer Studierstube auf der Wartburg. Auch Menschen wie Melanchthon waren von größter Bedeutung für diese Zeit, die wir nach dem zornigen Mönch aus dem Mansfeldischen nennen, der 1483 als Martin Luder geboren wurde und 1546 in Eisleben starb.

In dieser Lebensspanne vollzog sich ein Epochenumbruch. Auf jeder Ebene kam es zu dramatischen Veränderungen ..... Und doch lebte zwischen dem Neuen überall das Alte fort. Eroberer und Kaufleute stießen zu neuen Welten vor, Theologen zu neuen Glaubensvorstellungen, Wissenschaftler zu neuen Erkenntnissen, Techniker zu neuen Erkenntnissen. Aber gleichzeitig war die Mehrheit der Bauern ihren Herren leibeigen, die Mehrheit der Handwerker von ihren Zunftmeistern abhängig und die Gesamtheit der Tagelöhner ihren Auftraggebern ausgeliefert. Es loderten die Scheiterhaufen und die größte Hexenjagd der abendländischen Geschichte stand erst noch bevor.

Luther selbst blies noch einmal die mittelalterliche Hölle an mit seinem Predigeratem, geradezu besessen vom Teufel. Der Leibhaftige war für ihn keine Allegorie des Bösen, sondern dessen Verkörperung. ...

Die epochale Mittelstellung Luthers und seiner gesamten Gegenwart lässt Historiker heute abwechselnd von 'Spätmittelalter' und 'Früher Neuzeit' sprechen.... Wie sonst nur noch die Goethezeit ist die Lutherzeit historischer Projektionsraum und Mythenreservoir der deutschen Geschichte. Man steht davor und staunt und kann nicht anders." (Bruno Preisendörfer)    

 


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Dienstag 7. Februar 10.30 Uhr
Literaturcafé

Robert Seethaler: "Ein ganzes Leben"

Als Andreas Egger in das Tal kommt, in dem er sein Leben verbringen wird, ist er vier Jahre alt - aber so genau weiß es keiner. Er wächst zu einem Hilfsknecht heran und baut mit einem Arbeitstrupp eine der ersten Bergbahnen, mit der die Elektrizität auch das Licht und den Lärm in das Tal bringt. Dann kommt der Tag, an dem Egger zum ersten Mal vor Marie steht, der Liebe seines Lebens, die er jedoch wieder verlieren wird. Erst viele Jahre später ist sie noch einmal bei ihm. Und er, über den die Zeit längst hinweggegangen ist, blickt mit Staunen auf die Jahre, die hinter ihm liegen.

Eine einfache und tief bewegende Geschichte.


Sander allseits 11
Donnerstag 9. Februar 20.00 Uhr
Kino Club Goethe

"Die allseitig reduzierte Persönlichkeit" (Helke Sander, 1977)

Einführung: Peter Bosma

Der Film zeigt den Alltag einer alleinerziehenden Mutter, die als freiberufliche Fotographin in Westberlin lebt. Mit ihren bescheidenen Honoraren hält sie sich mit Mühe über Wasser, erledigt den Haushalt und kümmert sich um ihre Tochter. Zusammen mit einer Gruppe Frauen erhält sie den Auftrag, das Leben in Berlin bildlich zu dokumentieren. Bei dem Versuch, kritisch auf vernachlässigte Aspekte der Stadt hinzuweisen, stößt sie schnell an die persönlichen und politischen Grenzen ihres Engagements.   


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Montag 13. Februar 19.30 - 21.00 Uhr
Sprachcafé

Sie wollten schon immer Ihr Deutsch verbessern?

Das Sprachcafé bietet Ihnen die Möglichkeit, ungezwungen im Gespräch mit Muttersprachlern die Sprache zu erlernen.
Keine Unterrichtsstunden, keine Hausaufgaben, einfach vorbeikommen und mitmachen!

Für wen ist es?
- Für Alle, die Interesse an der deutschen Sprache und Kultur haben.
- Einige Deutschkenntnisse (middelbare school) sind erforderlich.

Wie geht es?
- In Kleingruppen unterhalten Sie sich über aktuelle und kulturelle Themen.
- Anmeldung über die Webseite: www.deutschebib.de
oder über die Mail: sprachcafe@deutschebib.de
oder telefonisch (während der Öffnungszeiten): 070 - 355 97 62
- Teilnahme ist gratis. Wir bitten jedoch, Mitglied der Bibliothek zu werden:
€ 30,00 pro Jahr, Schüler/Studenten/65+ € 25,00.


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Samstag 18. Februar 10.30 Uhr
Vorlesen und Basteln für Kinder von 4 bis 7 Jahren

Wir lesen Sergej Prokofjew „Peter und der Wolf“. Um Anmeldung wird unter info@deutschebib.de gebeten.


Dienstag 21. Februar 20.00 Uhr
Literaturabend

Wir stellen einige unserer Neuerwerbungen vor, lesen aus den Büchern vor und erzählen über ihren Inhalt sowie die Autor(inn)en. 


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Dienstag 7. März 10.30 Uhr
Literaturcafé
Katja Petrowskaja: "Vielleicht Ester"

Hieß sie wirklich Ester, die Großmutter des Vaters, die 1941 im besetzten Kiew allein in der Wohnung der geflohenen Familie zurückblieb? Die jiddischen Worte, die sie vertrauensvoll an die deutschen Soldaten auf der Straße richtete - wer hat sie gehört? Und als die Soldaten die Babuschka erschossen, 'mit nachlässiger Routine' - wer hat am Fenster gestanden und zugeschaut? Wenn aber schon der Name nicht mehr gewiss ist, was kann man dann überhaupt wissen?

Die Autorin reflektiert über ein zersplittertes, traumatisiertes Jahrhundert und rückt Figuren ins Bild, deren Gesichter nicht mehr erkennbar sind. Ungläubigkeit, Skrupel und ein Sinn für Komik wirken in jedem Satz dieses eindringlichen Buches. 


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