Thementisch im April: Literatur auf der Leinwand

Thementisch April 2021

Schon immer waren literarische Werke für Filmschaffende eine wich­tige Inspirations­quelle. Renommierte Regisseure haben Litera­tur­adaptionen geschaffen, die zu Filmklassikern wurden. Man denke nur an den Film Der blaue Engel von Josef von Sternberg nach dem Roman Professor Unrat von Heinrich Mann. Oder an Luchino Viscontis Verfilmung von Thomas Manns Novelle Tod in Venedig. Volker Schlöndorff hat gleich eine ganze Reihe literarischer Werke filmisch umgesetzt. International am erfolgreichsten war er dabei wohl mit der Blechtrommel von Günter Grass, für den er einen Oscar erhielt.

 

So mancher Literaturklassiker wurde mehrmals verfilmt, wie etwa Theodor Fontanes Effi Briest, das bisher insgesamt fünfmal für die Leinwand adaptiert wurde. Auch von Thomas Manns Buddenbrooks gibt es mehrere Fassungen, als Kinofilm und als mehrteilige Fernseh­serie. Das gleiche gilt für Berlin, Alexanderplatz von Alfred Döblin, von dem eine zeitgenössische Interpretation in der Regie von Burhan Qurbanis gerade erst letztes Jahr ins Kino kam.

 

Nicht immer sind Publikum, Kritik und Autoren mit dem Ergebnis zufrieden. Kürzungen, Hinzufügungen und inhaltliche Eingriffe verändern die literarische Vorlage teilweise erheblich und führen gelegentlich sogar dazu, dass ein Werk bis zur Unkennt­lichkeit verfremdet wird.

Film und Buch sind zwei unterschiedliche Kunstgattungen mit ihren jeweils eigenen Gestaltungsmitteln und Möglichkeiten. Filmschaffende nutzen die literarische Vorlage auf ihre individuelle schöpferische Weise: von der werknahen Umsetzung über die eigenständige Interpretation bis hin zur weitgehenden Neuschöpfung. Ein Film ist schließlich immer nur eine von unzähligen Möglichkeiten, ein literarisches Werk zu interpretieren. Oder wie John Le Carré es einmal ausdrückte: „Ein Buch in einen Film zu verwandeln, ist so ähnlich, wie aus einer Kuh einen Brühwürfel zu machen.“.

 

Im Rahmen unseres monatlichen Thementisches möchten wir Ihnen zehn Verfilmungen deutschsprachiger Romane zusammen mit ihren literarischen Vorlagen vorstellen und Sie einladen zu vergleichen.

 

Wir wünschen Ihnen ein viel Freude beim Lesen und Schauen!

 

 

Fatih Akin: Tschick (2016)

nach dem gleichnamigen Roman von Wolfgang Herrndorf

 

Heinrich Breloer: Buddenbrooks (2008)

nach dem gleichnamigen Roman von Thomas Mann

 

Caroline Link: Nirgendwo in Afrika (2001)

nach dem gleichnamigen Roman von Stefanie Zweig

 

Luchino Visconti: Death in Venice (1971)

nach der Novelle von Thomas Mann „Tod in Venedig“

 

Volker Schlöndorff: Die Blechtrommel (1980)

nach dem gleichnamigen Roman von Günter Grass

 

Stephen Daldry: Der Vorleser (2008)

nach dem gleichnamigen Roman von Bernhard Schlink

 

Rainer Maria Fassbinder: Effi Briest (1974)

nach dem gleichnamigen Roman von Theodor Fontane

 

Hermine Huntgeburth: Effi Briest (2009)

nach dem gleichnamigen Roman von Theodor Fontane

 

István Szabó: Mephisto (1981)

nach dem gleichnamigen Roman von Klaus Mann

 

Julian Pölsler: Die Wand (2012)

nach dem gleichnamigen Roman von Marlene Haushofer


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